My Game is Fairplay! What about you, FIFA?

My Game is Fairplay! What about you, FIFA?

Wer dieser Tage in die Medien schaut, sieht immer wieder eine Riege an Politikern, wie z.B. Herrn Berlusconi, die aus der Sicht einer modernen aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr tragbar sein können. Korruption, Vorteilnahme und andere widerwärtige Dinge prägen den politischen Alltag. Und gerade wenn man meint, man zieht sich ein wenig in die Welt des Sports zurück, an den Ort, wo Menschen Größe zeigen und die Regeln des Fair Play achten, stolpert man doch nach kurzer Zeit über einen Mann Namens Sepp Blatter, seines Zeichens gerade frisch wiedergewählter Präsident des Weltfußballverbands FIFA.

Wie groß waren die Korruptionsvorwürfe gegen ihn und das FIFA-Exekutivkomitee und das nicht erst seit der letzten WM-Vergabe? Wie oft wurden schon Einzelpersonen aus seinem Umfeld oder auch er selbst der Korruption beschuldigt? Auf seine Wiederwahl hatte dies offenbar keinen Einfluss. Wie eine Wand steht die FIFA hinter ihrem Mann, einem 75 Jahre alten ehemaligen Mittelstürmer, der wohl jeglichen Bezug zur Realität bereits verloren hat. Fußball? Wer braucht das? Mein Geldbeutel ist da schon viel wichtiger! Und das obwohl dieser Mann wohl keine zusätzlichen Pennys mehr im Portemonnaie braucht!

Lediglich der englische Fußballverband stellt sich in klassisch englischer Manier gegen den langjährigen Präsidenten und fordert eine Verschiebung der Wahl. Andere große Verbände folgen zuerst und fallen dann doch wieder um. Die Frage bleibt: Wieso? Vielleicht weil die FIFA mittlerweile so hohe Gewinne einfährt, dass die großen Verbände da kräftig mit verdienen wollen? Interessiert sich die FIFA vielleicht nur noch für ihre Gewinne? Wie den Rekordgewinn im letzten Jahr? Dass sie ihr Geld weiter in den Spitzenbereich investieren können, während der ohnehin von Spieltagsterminierungen in den Profiligen gebeutelte Amateur- und Breitensportbereich elend vor die Hunde geht? Vielleicht, weil man insgeheim Sepp Blatters Ideen gut findet, der es wie kein Anderer lieben würde, ein anderes Publikum im Stadion zu sehen? Der die Stehplätze auf internationaler Bühne abschaffen ließ und auch gern in den nationalen Ligen gleiches tun würde? Der Menschen auf Stehplätzen als wilde Tiere und Keime der Gewalt bezeichnete?

Es reichte dem alten Mann auch bei dieser Wahl ein einfacher Trick, um sich wieder ins Rampenlicht zu stellen und auch die jüngsten Korruptionsskandale schadlos zu überstehen. Sein einziger ernstzunehmender Gegenkandidat Mohammed Bin Hammam sowie der weitere Vizepräsident Jack Warner wurden vor der Wahl wegen eben jenen Korruptionsvorwürfen suspendiert und so war der Weg wieder frei. Es gab keinen Gegenkandidaten. Es gab keine weiteren Fragen. Er hatte ja aufgeräumt und für Ordnung gesorgt. Was suspendiert bedeutet, muss man wohl niemandem mehr erklären. Wir werden die beiden Herren wohl bald wieder in der großen Familie des Weltfußballs begrüßen dürfen. Nebenbei kündigte Herr Blatter noch einige Reformen an. So soll z.B. nicht mehr das Exekutivkomitee über die WM-Vergabe entscheiden, sondern die Vollversammlung. Außerdem soll zur Klärung solcher Vorwürfe eine so genannte Exekutivkommission – mein persönliches Unwort des Jahres – gebildet werde, die auch Experten von außerhalb zulassen soll. So bleibt das Modell Blatter ein weiteres Mal bestehen und darf weiter ungehindert sein Unwesen treiben. Wann im Fußball wieder fair gespielt wird, steht noch in den Sternen. Eins wissen wir jedoch. Nicht vor 2015. Bis dann ist Blatter gewählt.

Weitere Links zum Thema:
die tageszeitung
SPIEGEL online
sueddeutsche.de
Frankfurter Allgemeine Zeitung
11FREUNDE – Magazin für Fußballkultur